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A5.4.8

Azubi-Tagebuch Fluggerätmechaniker/-in Instandhaltungstechnik

Januar 2012: Azubi-Alltag am Frankfurter Flughafen

Seit Beginn des dritten Ausbildungsjahres hab ich eine Menge an Erfahrungswerten dazu gelernt und mich so nach und nach an den normalen Ablauf in einer Wartungsschicht gewöhnt. Was allerdings nicht heißen soll, dass sich der Tagesablauf ständig wiederholt. Zu Beginn jeder Wartungsschicht findet ein kurzes Briefing statt, bei dem allen Mechanikern und Elektrikern sowie meinem Lehrgesellen und mir ein Arbeitsbereich zugeteilt wird. Die Einteilung erfolgt gemäß einem sogenannten Maintenance Operations Sheet, auf dem die geplante Ankunftszeit und die erwartete Abflugzeit sowie einige Hinweise über die anstehenden Arbeiten an einem Flugzeug stehen. Der Aufgabenbereich erstreckt sich dabei über kleinere Wartungsarbeiten auf dem Vorfeld bis hin zum Austausch eines kompletten Triebwerkes in der Halle. Bei Arbeiten auf dem Vorfeld besteht meine Aufgabe oftmals darin, ankommende Flugzeuge auf äußere Beschädigungen zu untersuchen sowie das Fahrwerk und den Reifendruck zu prüfen. In der Fachsprache bezeichnen wir so eine Sichtkontrolle als „walk around“. Ist z.B. ein Reifen oder eine Bremse außerhalb des vorgeschriebenen Limits, werden diese dann direkt vor Ort gewechselt. Wobei die Abnutzung der Bremsen nach jeder Landung protokolliert wird, um einen bevorstehenden Austausch im Voraus zu planen. Die Abnutzung der Bremse wird an der überstehenden Länge eines an der Bremse angebrachten Stiftes (wear pin) abgelesen. Am Interessantesten sind Wartungsarbeiten die einen anschließenden Probelauf der Triebwerke erfordern. Dazu gehört unter anderem auch der Testlauf nach einem Fanbladewechsel, wodurch die Triebwerksvibration verkleinert werden soll.

Im Bild sitze ich im Triebwerkseinlass einer Boeing 737-800. Dabei erklärt mir eine Lehrgesellin gerade, auf was ich bei dem Einbau der Fanblades achten muss.

Erik Dörschel, 24 Jahre
Auszubildender im 3. Lehrjahr zum Fluggerätmechaniker – Fachrichtung Instandhaltungstechnik in Frankfurt

Oktober 2011: Arbeiten auf dem Vorfeld

Im ersten Teil der Schichtzeit bin ich die meiste Zeit auf dem Vorfeld bei der Kurzstrecke (A319/A320/A321). Dort hat man kaum Zeit, etwas Größeres zu reparieren. Die Flugzeuge landen und fliegen dann ca. eine Stunde später wieder, somit muss alles sehr schnell gehen. Oft werden die Beanstandungen weiter notiert und erst beim nächsten größeren Stopp repariert. Dafür ist die Minimum Equipment List (MEL) da. Darin steht, was funktionieren muss und was nicht. Einer der meisten Arbeiten sind z.B. Engine Oil Services oder ab und zu ein Reifenwechsel. Auf dem Vorfeld lernt man sehr viel über das Dokumentieren.

Auf dem Foto ist ein A320-200 zu erkennen, der am Gate steht. Während wir am Flieger arbeiten, ist viel los und viel Stress. Da sind die Caterer, die Essen einladen, die FlugbegleiterInnen, die den Flug vorbereiten, Loader die das Gepäck rein bringen, usw.

Wichtig ist, hierbei keinen Stress oder Hektik aufkommen zu lassen, da dadurch Fehler passieren könnten.

Franziska Stahl, 17 Jahre
Auszubildende im 2. Lehrjahr zur Fluggerätemechanikerin – Fachrichtung Instandhaltung in München

September 2011: Beginn der Ausbildung am Einsatzflugzeug

Nach der Ausbildung in der Lehrwerkstatt und den Fachabteilungen beginnt mit dem dritten Lehrjahr die praxisnahe Ausbildung am Einsatzflugzeug. Am Ausbildungsstandort der Lufthansa Technik in Frankfurt am Main kann der Auszubildende zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres entscheiden, an welchen Flugzeugen er seine weitere Ausbildung fortsetzen möchte. Die Auswahl ist groß, vom Kurzstreckenflieger über Transportflugzeuge bis hin zum Airbus A380 stehen alle Möglichkeiten offen. Zu Beginn des 3. Ausbildungsjahres vermittelten uns unsere Lehrgesellen in einem ersten Orientierungsgespräch eine kleine Einführung in die Tätigkeiten unserer Wartungsgruppe. Die Flugzeugwartung wird hauptsächlich in Line- und Basemaintenance unterteilt. Für die Tätigkeit als freigabeberechtigtes Personal in der Linemaintenance, wird eine Freigabelizenz der Kategorie A (CAT-A) benötigt. Diese Lizenz berechtigt den Inhaber zur Ausstellung einer Freigabebescheinigung nach einfachen Wartungsarbeiten, die innerhalb des Umfangs seiner Berechtigung von ihm selbst durchgeführt wurden. Innerhalb der Basemaintenance werden Arbeiten größeren Umfangs getätigt, wie z.B. ein Triebwerkswechsel. Um ein Flugzeug nach größeren Wartungsarbeiten freizugeben, bedarf es einer Lizenz der Kategorie B, die den Umfang dieser Arbeiten einschließt. Zur Ausstellung der Lizenz CAT-A wird neben den theoretischen Nachweisen auch eine Dokumentation über die erbrachten praktischen Arbeiten gemäß unserer CAT-A Lizenz benötigt. Zu diesem Zweck bekommt jeder Auszubildende zu Beginn des 3.Lehrjahres ein Practical Logbook, das sich auf die Tätigkeiten an einem Flugzeugmuster mit einem bestimmten Triebwerk bezieht. Die Wartungsgruppe, die ich mir ausgewählt habe, umfasst sowohl den Bereich der Linemaintenance als auch den Bereich der Basemaintenance. Somit konnte ich gleich in den ersten Wochen einen interessanten Einblick in den Ablauf eines Push Back – Vorgangs auf dem Vorfeld sowie in einem Triebwerkswechsel in der Wartungshalle bekommen. Bei einem Push Back wird das Flugzeug mit Hilfe eines Flugzeugschleppers auf die Rollbahn geschoben.

Auf dem Foto sieht man den Prototypen der nächsten Generation der Boeing 747, die Boeing 747-8 intercontinental. Das Foto habe ich während unserer Klassenfahrt in Paris, auf der 49. Luft- und Raumfahrtausstellung in Le Bourget gemacht.

Erik Dörschel, 24 Jahre
Auszubildender im 3. Lehrjahr zum Fluggerätmechaniker – Fachrichtung Instandhaltungstechnik in Frankfurt

Juni 2011: Schichtarbeit

Nach eineinhalb Jahren Pauken der Theorie und Fertigen von Werkstücken bin ich nun in der Schichtarbeit im praktischen Einsatz.
Auf dem Bild ist zu erkennen, wie jemand den Reifendruck prüft, das wird oft gemacht. Dies ist nur eine der Tätigkeiten, die wir machen.
Neben der praktischen Arbeit werden wir von unseren Lehrgesellen über die verschiedenen Flugzeugsysteme und andere wichtigen Sachen abgefragt, somit hat man Praxis und Theorie in einem, was das Lernen leicht und zudem Spaß macht. Man lernt auch viel über die Dokumentation einzelner Arbeiten und das Heraussuchen von notwendigen Reparaturarbeiten aus dem Manuell.
Was mir auch sehr gut gefällt, ist, dass man viele neue Menschen kennen lernt, mit denen man kommuniziert, dass kein Tag wie der andere ist und dass keine Routine aufkommt.

 

 

Franziska Stahl, 17 Jahre
Auszubildende im 2. Lehrjahr zur Fluggerätemechanikerin – Fachrichtung Instandhaltung in München